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Samstag, 26. Mai 2012

Rezension „Sternhagelglücklich“ von Christoph Koch


Sternhagelglücklich
Autor: Christoph Koch
288 Seiten
Preis: 14,99 € Paperback
erschienen beim 

Kurzbeschreibung:
Für alle die jetzt einen (Jugend-)roman oder Fantasybuch erwarten, die müssen Brösel’s Bücherregal wohl gleich wieder verlassen. Das Buch „Sternhagelglücklich“ ist ein exzellenter, zynischer Mix aus Sachbuch und Selbstexperiment. Der Autor Christoph Koch stellt sich einem Jahr der Frage und Aufgabe, welche Dinge den Menschen bzw. ihn glücklich machen.
Meine Meinung:
„Sternhagelglücklich“ beginnt im Monat November und dem Heiratsantrag an seine heutige Frau Jessica. „Macht heiraten glücklich?“, steht als erste These im Raum. Da ich noch nicht verheiratet bin und es nicht nur zwecks der „Glücks-Frage“ ausprobieren möchte, war ich ganz froh, dass das Heiraten nur ein minimaler Teilbereich dieses Buches ist. Er geht einer Frage auf den Grund, welche sich bereits viele Menschen gestellt haben. Was MACHT glücklich und vor allem wie BLEIBT dieser Gefühlszustand? Liegt es generell an uns selbst oder können auch andere zu unserem „Glück“ beitragen? Christoph Koch erläutert in einer kleinen Einleitung welchen Theorien, Ratschlägen und sogar Psychopharmaka er in den nächsten 12 Monaten seine Zeit schenken möchte. Viele Ratgeber versprechen Patentrezepte zum Glücklichsein. Aber was hilft wirklich?
Natürlich kann niemand jeden Glücksratschlag ausprobieren – schon allein, weil es scheint, als kämen täglich fünf neue dazu. Ich habe mir für dieses Buch aber vorgenommen, zumindest von den Glücksrezepten, die mir sinnvoll erscheinen so viele wie möglich auszuprobieren. Und damit es am Ende keine Tränen gibt: Nein, die „Bestellung beim Universum“ ist nicht darunter. Meine Leidensbereitschaft und meine Toleranz für Quatsch haben Grenzen.
(Seite 16)
Der Autor schafft es bereits schon hier mich mit seinem Hang zum Zynismus zum Lachen zu bringen und ich freue mich auf ein Sachbuch mit Humor.
Sein Spektrum fasst er möglichst breit: Alte Weisheiten und moderne Theorien, fernöstliche Ideen, Langzeitversuche und einmalige Experimente, Abstraktes wie Meditation und Handfestes wie Psychopharmaka.
Um euch einen kleinen Eindruck vom Wesen Christoph Kochs zu machen, hat er sich auf der nächsten Seite kurz selbst zum Besten gegeben:
„Wenn das Telefon klingelt, freue ich mich nicht wie andere Menschen, dass jemand mit mir sprechen will. Ich denke: Wer will denn jetzt schon wieder was?! Wenn etwas gut läuft, wenn etwas geklappt hat, wenn ich ein Lob bekomme, freue ich mich etwa vier Sekunden lang darüber. Dann denke ich darüber nach, was ich als Nächstes tun muss.
Ich bin lieber drinnen als draußen, meckere lieber, statt zu loben und bin leider viel zu oft neidisch auf die Erfolge meiner Mitmenschen. Aber zu diesen schönen Eigenschaften und ihren Auswirkungen auf das Lebensglück später mehr.“
(Seite 17)
Spätestens hier weiß ich: DIESES BUCH WIRD MIR GEFALLEN. Und das tut es! Ein zynischer Skeptiker der das Glück sucht. Großteils ist das Buch auch wie in diesem Zitat geschrieben. Kein trockenes Sachbuch ála „Alles wird gut“, sondern mit Witz, Realismus und Charakter erzählt er u.a. vom „Hopserlauf auf dem Weg zum Supermarkt“ oder dem „Lachyoga“.
Auch wenn Herr Koch größtenteils „Ironie“ als Stilmittel verwendet, gibt es auch Passagen die einen nachdenklichen Kern haben. Beim Kapitel „Ehrenamt als Ausgleichssport?“ erkennt man beim Lesen sehr schnell, wie glücklich es den Autor macht und es einen selbst machen kann, älteren Menschen in der Woche nur eine Stunde seiner Zeit zu schenken.
Oder wie schön es ist ein „Dankestagebuch“ zu führen. Manche nennen es beten, andere können schon allein mit dem Gedanken „Das und das hast du heute gut gemacht… oder dieses und jenes hat mir heute gut gefallen…“ zufriedener ins Bett gehen.
Entgegen der gewagten Tests wie die Einnahme von Antidepressiva (bloß nicht!), wird auch auf das Thema Freundschaft näher eingegangen. Jetzt werdet ihr sagen „Ja klar macht Freundschaft glücklich!“. Aber ich finde diesen Abschnitt sehr nennenswert, da wir manchmal aus reiner Faulheit solche wertvollen Dinge vernachlässigen:
Ich glaube tatsächlich, Regelmäßigkeit ist eine der wichtigsten Zutaten für eine gute Freundschaft, auch wenn das langweilig und spießig klingen mag. Wie viele Freundschaften sind schon in der Wüste zwischen „Ich muss mich mal wieder melden“, „Wird mal wieder Zeit, dass wir uns treffen“ und „Alles Gute zum Geburtstag, leider nur per SMS, aber melde mich bald. LG!“ verdorrt?
Ich tendiere dazu, mich viel zu selten bei Freunden zu melden, denn mir ist ja „nichts Nennenswertes passiert“. Dabei geht es in einer guten Freundschaft nicht darum, nur die Siege zu feiern oder die Niederlagen zu verdauen. Es geht auch darum, die Belanglosigkeiten des Alltags zu teilen. Darum, nah an den Kleinigkeiten dranzubleiben, die das Leben des anderen eben auch ausmachen. Denn nur so entsteht die Vertrautheit, die man braucht, um über die großen Dinge des Lebens zu sprechen.
(Seite 230)

Mit vielen Querverweisen auf nähere Erläuterungen oder Studienergebnissen, sind auch alle abstrakten oder eigenartigen Selbstversuche/Theorien verständlich erklärt.
  
Fazit:
Ich kann in einer Rezension kaum alle Szenen wiedergeben, die Christoph Koch in „Sternhagelglücklich“ zum Besten gibt. Euch kann ich dieses Buch nur ans Herz legen, vor allem denjenigen die sich selbst öfter mal mit der Frage beschäftigen. Mit viel Witz, Charme, Ironie und der passenden Menge Ernsthaftigkeit hat Herr Koch zumindest mich dazu gebracht, abends eine Sache zu finden, die mich glücklich macht!
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Euer Bröselchen ^_^


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