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Dienstag, 26. Juni 2012

„Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ – Rachel Joyce

Originaltitel: The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry | Autorin: Rachel Joyce | Übersetzung: Maria Andreas | 384 Seiten | Hardcover 18,99 € | eBook 9,99 € | ISBN:  978-3-8105-1079-2 | Fischer Verlag | Leseprobe


Harold ist Mitte 60 und befindet sich mit seiner Frau Maureen im Ruhestand. Die Beziehung der beiden ist sehr abgekühlt und schon lange hat sich der triste Alltag eingeschlichen. Eines Tages erhält Harold einen kurzen aber bedeutsamen Brief, in dem seine alte Kollegin Queenie Hennessy von ihrem Krebsleiden erzählt und sich für seine damalige Freundschaft bedankt.

120209_PilgerHaroldFry_FINAusw_U1.inddEigentlich wollte Harold nur zum Briefkasten und die Antwort einwerfen. Er geht jedoch geradewegs daran vorbei und beschließt in diesem Augenblick zu Fuß von Südengland an die schottische Grenze zu laufen. Er ist der festen Überzeugung Queenie mit seiner Wanderung retten zu können. Auf dem Weg dorthin erkennt er, dass er die Reise nicht nur für Queenie, sondern auch für sich selbst macht und damit seine Vergangenheit aufarbeitet.

Rachel Joyce beschreibt die Geschichte von Harold und seiner ungeplanten Pilgerreise von Anfang an sehr detailliert. Die Umgebung ist greifbar nah, wie auch Harold.

Im Moment seines Aufbruchs bin ich froh, dass er sein Zuhause nur mit seiner Kleidung und seinen Segelschuhen verlässt, da Maureen für mich nichts weiter ist als eine unsympathische Klatschtante.

Ich habe das Gefühl diesen „alten Knaben“ schon lange zu kennen und bin ein unsichtbarer Fan der ihm durchgehend zuflüstert, dass er es zu Queenie schaffen wird.

Uns beiden wird auf Dauer bewusst, dass sich hinter dieser Reise mehr als eine normale Wanderung nach Berwick verbirgt und Harold oft mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat. Beim Laufen erinnert er sich an seinen Sohn David zu dem das Verhältnis immer angespannt war und auch kein Kontakt mehr herrscht. Ebenso betrachtet er die Vergangenheit in Hinblick auf seine Frau Maureen, Queenie und seine Eltern. Positive wie negative Erinnerungen haben den Charakter Harold geprägt und Rachel Joyce hat ein wahnsinniges Geschick es zu beschreiben.

Auch im Hinblick auf die Menschen im Umfeld des Hauptprotagonisten hat die Autorin Weitsichtigkeit bewiesen. Auf seiner Reise begegnet der Rentner einer Reihe Menschen, u.a. auch welchen die gerne mit ihm mitreisen würden. Also höflicher Engländer schlägt Harold ihnen das nicht aus. Bald muss er jedoch feststellen, dass die Gruppe eher hinderlich ist und andere Ziele verfolgt.

Das Finale war zutiefst berührend, überraschend und emotional. Die letzten 20 Seiten habe ich „Rotz und Wasser geheult“. Ein Buch in dessen Charaktere ich mich anfangs getäuscht habe, teilweise sogar zornig wurde und mir viele auch in guter Erinnerung geblieben sind.

Leider konnte ich die Gedankengänge von Harold zeitlich nicht immer korrekt zuordnen, weshalb mich manche Absätze verwirrt haben.Ich bin froh, dass ich diese Reise mit Harold machen durfte und diesmal keine Videorezension geplant hab, da ich Euch aufgrund einer beschlagenen Brille sonst nicht gesehen hätte ^_^FAZIT

Ein sehr ergreifendes und emotionales Buch. Es erzählt die Geschichte von einem Mann der mehr als nur eine Last mit sich herum trägt. Eine große Reise die von Mut, Hoffnung und Tiefgang erzählt und es erlaubt, dass man seiner Trauer einfach freien Lauf und alte Dinge loslässt.

Meine Wertung

sys_Bewertung-5

 

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