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Samstag, 7. März 2015

Rezension | „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“

Tropen Verlag | 315 Seiten | ISBN: 978-3-608-50148-3 | Gebunden | 19,95 € |
eBook | 15,99 € | Zur Verlagsseite des BuchesLeseprobe |


DieReisemitdergestohlenenBibliothek_DavidWhitehouse_CoverDer junge Bobby Nusku sammelt Dinge seiner verschwundenen Mutter – Haare, Stoffe und Düfte. Nicht nur Zuhause bei seinem ungehemmten Vater, sondern auch in der Schule fühlt er sich ziemlich einsam, erstrecht als auch noch sein einziger Freund Sunny verschwindet. Glücklicherweise lernt er das Nachbarmädchen Rosa und deren Mama Val kennen, die Putzfrau in einem Bücherbus ist. Bobbys Versuch, sein Schicksal in die Hand zu nehmen, entwickelt sich kurzerhand zu einem verrückten Abenteuer quer durch England, bei dem er, Rosa, Val und der geächtete Joe, mehr als nur die Geschichten in den Büchern erleben.

 

Mit 'Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek' erfuhr ich was es heißt, eine tragikomische Geschichte zu lesen. Es beginnt etwas skurril, als Bobby versucht seinen Freund Sunny zu einem Cyborg zu machen und er ist nicht der Mutigste, aber es ist bereits hier eine schrullige Geschichte, die – wie man so sagt – wohl nur das Leben schreibt. David Whitehouse erzählt stets sehr metaphorisch, was die Atmosphäre vorstellbar und greifbar macht. Nach 100 Seiten gewinnt die Geschichte, wie auch der Bücherbus, so richtig an Fahrt und man erfährt ständig tatsächlich existierende und auch bekannte Buchtitel, die die Reisenden während ihrer Tour lesen.

 

"Bücher sind so gut wie wertlos, wenn man sie nicht aufschlägt. Geschichten sind keine Geschichten, wenn man sie nicht erzählt. Und die Gestalten in den Geschichten, die können gut oder schlecht sein, aber wenn man sie nicht kennenlernt, sind sie weder das eine noch das andere, und das ist noch viel schlimmer."
(Zitat, Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek)

 

Der Autor verleiht jedem Charakter seine eigenen Ecken und Kanten, Beweg- und Hintergründe, was das Buch bis zuletzt interessant macht, denn die Geschichte über Bobby, seiner Mama, das Leben von Val und Rosa und was es mit Joe wirklich auf sich hat, spielen stets ineinander. Teilweise lenken die vielen kleinen Erzählungen von der Kerngeschichte ab, führen aber auch dazu, dass man alle Beteiligten gut kennenlernt und einem die Tragik vollends bewusst wird. 

 

Bobby lernt im Laufe des Abenteuers sehr viel über sich selbst, wird reifer und belohnt den Leser am Ende des Buches mit seiner ganz eigenen Geschichte. Neben der Liebe zum Lesen und zu Büchern, gibt einem 'Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek' noch eine ordentliche Packung Freundschaft mit, die wohl die schönste aller Geschichten in diesem Buch über Bücher darstellt.

 

 

Meine Wertung

sys_Bewertung-4

 

 

Buchkolumne in der Hersbrucker Zeitung, Wochenendausgabe 07.03./08.03.2015

 

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