Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims von Annabel Pitcher
Donnerstag, 5. März 2015

Rezension | „Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims“

Goldmann Verlag | 224 Seiten | ISBN: 978-3-442-47996-2 | Taschenbuch | 8,99 € |
eBook | 7,99 € | Zur Verlagsseite des Buches inkl. Leseprobe |


Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims von Annabel PitcherWie der Titel ‚Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims’ schon vermuten lässt, geht es um ein verstorbenes Mädchen. Genauer gesagt um  Rose, die Zwillingsschwester von Jasmine und des zehnjährigen Bruders Jamie, die bei einem Terroranschlag durch Muslime ums Leben kam. Seitdem ist das Verhältnis der Familie zerrüttet; die Mutter hat durch die Selbsthilfegruppe einen neuen Lebenspartner gefunden und der Vater trinkt um seine Trauer vergessen zu können – vergisst dabei jedoch auch die Erziehung der beiden verbliebenen Kinder. Jamie wünscht sich nichts sehnlicher, als dass die Familie wieder zueinander findet und trägt täglich das Spider-Man-T-Shirt, das er von seiner Mutter erhalten hat. Denn er ist der felsenfesten Überzeugung, dass sie ihn besucht. Als er sich dann in der Schule mit Sunya anfreundet, nimmt sein Leben eine ganz andere Richtung.

 

Annabel Pitcher hat ein Gespür dafür sensible Themen anzupacken, denn mit Jamie und seinem ehrlichen kindlichen Wesen, vermittelt sie einerseits die Tragik an der Sache, verbreitet durch die fast nüchterne Art des Jungen aber auch eine lustige Stimmung.

 

"Obwohl seine Sichtweise oft verständlich und nachvollziehbar ist,
tat mir seine fast nüchterne Erzählweise auf Dauer doch im Herzen weh."

 

Aus den Augen eines Kindes wirken schlimme Dinge sachlicher und so ist es teilweise sehr charmant zu lesen, dass Jamie der Verlust seiner Schwester kaum tangiert. Was im ersten Moment schockierend ist – „Immerhin war es seine Schwester?!“ – leuchtet schnell ein, denn er kann sich kaum an Rose erinnern. Wie also kann er sie dann vermissen? Obwohl seine Sichtweise oft verständlich und nachvollziehbar ist, tat mir seine fast nüchterne Erzählweise auf Dauer doch im Herzen weh. Und nicht nur mir, sondern auch seinem weiterhin trauernden und angespannten Vater, der seit dem Vorfall einen grundlegenden Hass auf Muslime hat. Das zerschlagene Familienverhältnis ist schlimm und da Jamie sich stets wünscht, dass alles wie früher ist, hängt mit seiner Freundschaft zu Sunya zwischen zwei wackligen Stühlen.

 

Bis knapp zum Schluss war das Buch für mich auch nichts Besonderes, hält es gen Ende glücklicherweise für den Leser, wie auch für Jamie, eine emotionale Überraschung bereit, die die Tragweite eines Trauerprozesses deutlich macht. Leider hat mich das Gesamtpaket nicht ganz so bewegt, wie ich es mir erwartet habe, dennoch ist ‚Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims’ ein ehrliches und lesenswertes Buch.

 

 

Meine Wertung

sys_Bewertung-3

 

 

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