Mr-Glas_AlexChristofi_DroemerVerlag
Samstag, 25. April 2015

Rezension | „Mr. Glas“ – Alex Christofi

Originaltitel: Glass | 320 Seiten | ISBN: 978-3-426-30453-2 | Broschiert | 14,99 € |
eBook | 12,99 € | Droemer Knaur Verlag | Leseprobe |

 

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Mr-Glas_AlexChristofi_DroemerVerlagSuperhirn sein, einen außergewöhnlichen Namen und ein lustiges Leben haben – diese Dinge treffen auf Günter Glas nicht zu. Als Milchmann gescheitert, entdeckt er einerseits seine Liebe für eine Frau und andererseits für Glas, jedoch nicht nur, weil er zufällig selbst so heißt. Wo andere vor Computerbildschirmen an ihrer Karriere feilen, möchte Günter nur eins: Der beste Fensterputzer der Welt werden. Durch einige Bekanntschaften und Zufälle, landet er auf den größten Wolkenkratzern und erkennt, dass es im Leben nicht nur Höhenängste zu überwinden gibt.

 

Wer nach der Inhaltsangabe meint, dass es sich bei ‚Mr. Glas’ um ein deutsches Buch handelt, der irrt. Autor Alex Christofi hat in Oxford Englisch studiert und lebt heute in London. Als sein Protagonist Günter Glas erzählt, wie er zu seinem Namen kam und zu seiner Berufung als Fensterputzer fand, ist das nicht nur amüsant, sondern die Hausfrauen unter uns hätten ihn am liebsten schon gestern zu sich eingeladen.

 

Günter ist wahrlich primitiv, das ist meist lustig und führt zu einigen Schmunzlern und trotzdem weiß man schnell, dass hinter der komischen Fassade eine gewisse Tragik schlummert. Nach einem Todesfall in der Familie, muss der 23-jährige sein Leben nun absolut selbst in die Hand nehmen und​ ein latenter Terrorist, sowie ein eigenartiger Intellektueller, sind nur der Bruchteil des zwischenmenschlichen Kontakts, dem sich der sonst so introvertierte junge Mann stellen muss. Er ist ein bemerkenswerter Charakter und wirklich toll getroffen. Auch die wundervollen Beschreibungen von und über Glas an sich, haben ihren ganz eigenen Glanz. Eben wie eine frisch geputzte Scheibe.

 

"Der liebe Günter ist ein bemerkenswerter Charakter und wirklich toll getroffen. Auch die wundervollen Beschreibungen von und über Glas an sich, haben ihren ganz eigenen Glanz. Eben wie eine frisch geputzte Scheibe."

 

Verwunderlich und deshalb erwähnenswert, sind auch die Fußnoten einer gewissen Dekanin Winterbottom, die häufig auftauchen, teilweise Bibelpassagen beinhalten und oft so geschwollen sind, dass ich den Sinn nicht verstehe.

 

‚Mr. Glas’ beginnt heiter und anders​, wird zunehmend schrullig und nicht zuletzt sonderbar. Die vollständige Message erkennt man wohl nur im genauen Hinblick zwischen die Zeilen. Eine interessant verpackte Liebeserklärung an einen Stoff, der alltäglich wurde und dennoch essentiell ist. Und die Moral von der Geschicht’? Entweder du verstehst sie… oder nicht.

 

 

Meine Wertung

sys_Bewertung-3

 

 

Buchkolumne in der Hersbrucker Zeitung, Wochenendausgabe 25.04./26.04.2015

 

Weitere Meinungen:

primeballerina's books: [Rezension] Alex Christofi – "Mr. Glas"

 

 

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