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Samstag, 6. Februar 2016

Servus! Ein Abschied auf unbestimmte Zeit.

Abschiede sind ziemlich doof. Immer. Deshalb bin ich ganz froh, dass ich mit „Servus“ sowohl eine Begrüßung als auch einen Abschied aussprechen kann. Für Euch mag es sehr überraschend kommen, für mich selbst eher weniger, denn obwohl es in den letzten Wochen/Monaten doch ein eher schleichender Prozess war, wusste ich insgeheim, dass es der richtige Schritt ist und der Blog und ich eine „Beziehungspause“ brauchen. Ich wollte es nur nicht wahrhaben. Mit leichter Aufregung und Schwitzeinlage (Deo hat versagt) schreibe ich nun diese Zeilen:

Ausschlaggebend dafür sind mehrere Dinge, die mir selbst die Augen öffneten, woher die immer öfter auftauchende Blog-Unlust kommt und die mich nun mit einer Selbstverständlichkeit sagen lassen: Servus, ich geh. Vielleicht komme ich wieder. Vielleicht auch nicht. Ein paar davon sind folgende:

  • Gelesen/Ungelesen – meine Bücherliste: Ende letzten Jahres habe ich mit Stolz meine ganzen Bücher gezählt und mit Gelesen/Ungelesen markiert, auch um ein Verzeichnis mit den ganzen tollen Titeln zu haben. Das Ergebnis war eine erstaunliche Erkenntnis, denn von aktuell ingesamt 721 Büchern die ich besitze, sind nur 253 gelesen. Okay, diese Zahl wirkt dadurch schlimmer, da z.B. bereits gelesene, die mir nicht so gut gefallen haben, bereits wieder verkauft oder verschenkt wurden und somit nicht mehr darin auftauchen. Auch bestimmte Sachbücher oder Fachliteratur fehlen auf dem SuB/Stapel ungelesener Bücher. Trotzdem hat mir dieser riesen Krater von Gelesen und Ungelesen die Frage aufgeworfen: Wann willst Du die restlichen 468 Titel jemals lesen? Jetzt! Und ich habe große Lust darauf.
  • Bücher lesen, die ich wirklich lesen möchte, ohne Beeinflussung: Die Buchbloggercommunity ist in den letzten vier Jahren rapide angewachsen. Mittlerweile sind wir so stark untereinander vernetzt, dass es von Grund auf einen Schneeballeffekt gibt, wenn DAS Buch auf dem Markt erscheint und es oft viele Bloggerkollegen gleichzeitig lesen, empfehlen, zeigen. Auch ich nehme mich hier nicht aus, Neugier ist ein starker Antrieb. Aber die o.g. Zahl meiner ungelesenen Bücher haben mich hinterfragen lassen, ob ich DAS Buch auch ohne die Bloggerei so schnell oder überhaupt gelesen hätte?! Wahrscheinlich nicht. Vor dem Bloggen besaß ich maximal 50 Bücher, die Harry Potter-Reihe laß ich ritualsmäßig einmal im Jahr und auch andere gerne mal öfter. Ich kann mich nicht erinnern, dass das seit meinem Bloggerdasein mal der Fall war. Diese kleine Stimme der geschätzten Lesezeit ist auf meiner Reise irgendwo verloren gegangen, ich geh sie mal suchen :-).
  • Ich habe verlernt mich über Überraschungen zu freuen: Als ich im Januar 2012 anfing, war man als Buchblogger oft noch ein schwarzes Schaf in der Branche. Auf Messen wurde man oft argwöhnisch beäugt, manche wussten gar nichts mit „diesem Blogger“ anzufangen oder E-Mails wurden generell nicht beantwortet. Ich habe klein angefangen und kann mit Stolz sagen, dass ich mir eine gewisse Reichweite und treue Leserschaft aufgebaut habe, die für Verlage attraktiv ist. Die sogenannten Rezensionsexemplare verschenken sie ja nicht aus Spaß an der Freude, sondern weil sich für sie dadurch mittlerweile eine gute und einfache Form der Werbung ergeben hat. Die Feuilleton vs. Blogger-Diskussion gehört bitte nicht an diese Stelle.
    Ich habe immer gern und viel mit den Verlagen zusammengearbeitet, bin mit meinen Ansprechpartnern per Du und bekam, wie einige andere Blogger auch, ab und zu Überraschungspost. Dieses ab und zu wurde irgendwann immer mehr, da war es nicht nur mehr ein Buch, sondern gleich die ganze Vorschau mit bspw. 8 Titeln. (Das war der Hardcore-Fall). Beschimpft mich als undankbar, aber es ist mir mittlerweile zu viel. Denn zur ersten Freude und Überraschung folgte ganz bald die ernüchternde Erkenntnis, dass sich der Verlag ja damit auch wünscht, dass irgendwie darüber berichtet wird. Ich muss nicht. Das musste ich nie und das wussten meine Leser auch. Ich habe nur über das berichtet, von dem ich selbst wirklich überzeugt und begeistert war. Aber ich bin ein pflichtbewusster Mensch und so eine Blogger-Verlags-Zusammenarbeit ist ein gewisses Geben und Nehmen und an dieser Stelle muss ich nun sagen: Es tut mir leid, ich kann dem Tempo nicht mehr folgen.
  • Mir fehlt der Austausch mit nichtbloggenden Lesern: (Oder: Habe ich da überhaupt welche?) Wenn mich jemand fragte, weshalb ich mit dem Bloggen begonnen habe, dann weiß ich noch wie heute, dass ich die Leute ansprechen wollte, die gleiche Lesevorlieben haben wie ich, sich dann mit mir darüber austauschen und man evtl. auch diskutiert. Heute muss ich leider sagen, dass es in 99% der Fälle andere Blogger sind, die bei Blogbeiträgen oder im Social Web kommentieren. Versteht mich nicht falsch, ich schätze meine Bloggerkollegen, aber das Gefühl größtenteils von Leuten Rückmeldung zu kriegen, die „das Buch schon so lange da liegen haben“ oder um Eigenwerbung da zu lassen, ist frustrierend und das Bloggen wurde zu einem gefühlten Monolog. Meine Freundin Anja tröstete mich öfter mit den Worten: „Es sind Leser, die lesen was du schreibst. Sonst wären es doch Kommentierer geworden.“ Wie sehr hätte ich mir das gewünscht.

Und etz?

Mir geht es sehr gut mit der Entscheidung, auch wenn es das klassische Lachendes-Weinendes-Auge-Ding is. (Okay, gerade weinen beide Augen). „Keep calm and read a book“, „Mir egal, ich geh lesen“, ist mein aktuelles Motto und wird es jetzt erstmal auch eine Zeit lang sein. Ich will nur lesen. So einfach ist das. Wann und ob ich überhaupt mit dem Blog zurückkomme wird meine innere Stimme mir schon sagen. Vielleicht ja, vielleicht auch nicht. Vielleicht mit anderem Blogdesign, vielleicht ein Blog mit jemand anderen zusammen. Wer weiß?!

Ich bin per E-Mail (broesels.buecherregal [at] gmail.com) erreichbar, auch wenn Euch bald erstmal ein Abwesenheitsassistent darüber informieren wird, dass eine Antwort – wenn überhaupt – etwas dauern kann und ich im Leseorbit schwebe. Die SuB Abbau Challenge 2016 betreue ich zusammen mit Anja weiterhin, die Seite wird regelmäßig aktualisiert und auch die Newsletter davon kommen ab und zu von mir.
Auch im Social Media (Facebook, Twitter, Instagram) werde ich ab und zu mein Unwesen treiben, wenn auch oft nur phasenweise und nicht so tatkräftig wie sonst.

Also dann?! *winktindieRundeundgehtaufGleis9 3/4 zu* Servus, macht’s gut, ich bin dann lesen :‘)

Signatur_Brösel1

 

 

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