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Montag, 23. Mai 2016

Über unseriöse Selfpublisher oder: „Wie wär’s mit Nein?!“

„Ich freue mich über jede Aufnahme in Verlagspresseverteiler oder Kontaktanfragen aus der Buchbranche, jedoch bitte ich um Verständnis, dass ich aus Zeitgründen keine Rezensionsanfragen von Selfpublishern oder deren Agenturen mehr annehmen kann. In diesem Fall werden ungefragt zugesandte Manuskripte oder gar komplette eBooks ungesehen gelöscht. Vielen Dank.“

Diesen Absatz findet man über meiner eMail-Adresse auf der Über mich-Seite ‚Die Bloggerin‘ sowie in meinem Impressum. Man möchte meinen, dass die Aussage desselben klar ist und man davon ausgehen kann, dass sich die Anzahl von Selfpublisher-Mails somit minimiert oder sogar ganz ausbleibt. Leider habe ich eher das Gefühl, dass sich ganz motivierte Jungautoren davon noch mehr angespornt fühlen, mir daraufhin letztens der Kragen platzte und ich eine der gefühlt hundert e-Mails im Monat mit „Wie wär’s mit NEIN?!“ beantwortete. Es gibt eine ganz einfache Regel, liebe Autoren: Ihr lest den Hinweis auf meinem Blog nicht, ich lese garantiert Euer Buch/Eure e-Mail nicht.

Die geschätzte Simone von Papiergeflüster hat das Thema bereits mit ihrem Artikel ‚Warum ich eure Mails ungelesen lösche‘ wunderbar eingeläutet.


Im folgenden Beitrag herrscht leider ein Großaufgebot an genau den schwarzen Schafen, die den potentiellen guten Büchern und seriösen Selfpublishern die Möglichkeit stehlen tatsächlich gelesen und für gut befunden zu werden.


Mein Fehler

Um meine strapazierten Nerven nachvollziehen zu können, hole ich etwas weiter aus und beginne im Jahr 2012. Dort begann ich im Januar mit dem Bloggen, war 22 Jahre alt und ebenfalls ein Newbie in dem Bereich. Es war für mich eine kleine Ehre, dass (Indie-)Autoren an MICH herantraten und um meine Meinung zu ihrem Buch baten. Wahrscheinlich war es mein Fehler, dass ich ein paar interessant klingende annahm und sich das scheinbar in den Selfpublisher-Kreisen rumsprach. (Keine Ahnung, ob es so ist, aber ich nehme schwer an, dass auch Selfpublisher untereinander gut in Gruppen wie Facebook vernetzt sind). Auch freundliche Absagen wurden eher als Motivation gesehen und ich war weiterhin ungefragt in dem „Verteiler“, wenn es u.a. Neues aus „Allein-beim-ersten-Satz-rollen-sich-Dir-vor-lauter-Rechtschreibfehler-die-Fußnägel-hoch“ gab.

Apropos Rechtschreibfehler: Die angenommenen eBooks der Selfpublisher waren nicht durchgängig schlecht, keineswegs. (Es gibt auch jetzt garantiert Perlen, die es zu entdecken gilt, aber ich bin nicht der Perlentaucher.) Nichtsdestotrotz hatte ich beim Großteil bemerkt, wie sich einige böse und erschreckende Fehler einfanden und ich kontaktierte den jeweiligen Autor um darauf eine oder eine Mischung aus den folgenden Antworten zu erhalten:

  • Der „Bitte“, ob ich das komplette Buch nicht korrigieren könnte
  • Wer ich meine, wer ich sei

Die Sache Selfpublisher war dann für mich erledigt und seitdem lösche ich die meisten ausschließlich. Das erspart mir Zeit, Nerven und ich kann meine Zeit dafür nutzen auch wirklich die Bücher zu lesen, die mich wirklich interessieren.

 

Wie sich unseriöse Selfpublisher vermarkten

An masochistischen Tagen klickte und klicke ich mich doch mal wieder rein und es ergaben sich in den Jahren folgende Erfahrungen – mitunter von Bloggerkollegen.

Besonders eindrucksvoll beweisen diese Exemplare ihr Gespür für Marketing (sinngemäß wiedergegeben):

  • „Hallo Du, anbei mein neues eBook über Leonore und die Tena-Ladies. Freue mich über Deine Rezession“
  • „Es ist ein sehr erfolgreiches eBook, weshalb ich bisher nur bei amazon veröffentlicht habe“
  • „Ich glaube so wenig an mein Buch, dass ich dir auch Kohle dafür anbiete eine Rezension zu schreiben“
  • „Ich habe Dir mein Buch zugeschickt und bisher keine Rezension auf deinem Block entdeckt. Sollte nicht binnen zwei Monaten etwas online gehen, schicke ich Dir eine Rechnung dafür.“
  • „Da du ja jetzt eine Blogpause eingelegt hast, hast Du ja Zeit mein Buch zu lesen.“
  • „Hallo, ich habe auf deinem Blog gesehen, dass du…“ (Der Blog war zu der Zeit offline) ja, höchstwahrscheinlich eine Under Construction-Seite…., hm?

Merkt ihr eigentlich noch selber, weshalb Blogger eine immer größere Abneigung und Frustration dagegen hegen Selfpublisher in irgendeiner Form zu unterstützen? Blogger sind

  1. Keine Werbeplattform, der ihr schreiben könnt: Ey, veröffentliche das mal.
  2. Kann es auch sein, dass das Buch nicht gefällt und das würde ebenso gesagt werden. Da braucht man dann auch nicht beleidigt sein und einen Shitstorm (zusammen mit den Selfpublisher-Kumpels) auf den jeweiligen Blog loslassen.

 

Über Stefanie, Blocker und Schwangerschaftshelfer

Jetzt habe ich mich ja so viel beschwert, dann könnte ich auch ruhig sagen, wie man es besser machen könnte, gell? Hier ein paar grundlegende Tipps:
Wenn ein Selfpublisher die ganzen Bloggerkontakte sammelt (das ist wohl die meiste Mühe die er sich bei alldem macht) um ihnen ihr Wunderwerk aufs Auge zu drücken, sollte man noch einen Schritt weiter gehen und wenigstens den Verteiler ins BCC stellen. Weiterhin wäre eine korrekte Ansprache nicht schlecht, aber Stefanie, wenn diejenige nicht Stefanie heißt, „lieber Blocker“ (weißt scho, wennsd a Frangge bist, kann Dir des scho gar net passiern) is net so vorteilhaft.
Auch ein kleiner Blick auf die Lesevorlieben könnte nicht schaden, wenn z.B. ein Schwangerschaftsratgeber angeboten wird… Moment, ich frage meinen Partner kurz, ob er spontan Lust auf einen Erfahrungsbeitrag hätte. Dauert dann aber noch aweng.

 

Liebe Autoren…

die nette Alexandra von The Read Pack hat ebenfalls aus gegebenen Anlass sehr diplomatisch eine Aufstellung davon gemacht, wie ihr an Copy & Paste-Werbe-Mails herangehen könntet, damit es wenigstens so aussieht, als hättet ihr Euch Mühe gegeben. Achtung: Wenn auf Blogs der Hinweis vermerkt ist, dass generell keine Rezensionsanfragen (mehr) gewünscht sind, heißt das: keine E-Mail senden.

 

Für die kostenfreie Nutzung des Beitragsbilds ein Danke an pixabay.de und den Bildautor ijmaki.


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