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Donnerstag, 5. Mai 2016

Wie ein anderes Medium her musste & ich Hörbücher für mich fand

Auf die Frage, ob ich denn auch Hörbücher hören würde, habe ich bis vor ein paar Monaten noch mit der Gegenfrage „Wann soll ich das denn tun?“ geantwortet. Ironie an sich, denn für fünf bis sechs Printbücher im Monat habe ich ja auch die Zeit. Ich wusste, dass meine Reaktion nur ein Vorwand war, da ich wirklich nicht raus hatte, WANN und WO ich sie hören sollte. Hörbücher erinnerten mich immer an meine Kindheit, in der zum Einschlafen schon leise Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg dudelten. Und das war das Problem: Ich schlief bei Hörbüchern ein. Einfach hinsetzen und zuhören war also nicht.
Und dann kam der Zeitpunkt, an dem ich gezwungen war, es nochmal zu probieren und mich außerdem mit der Frage zu beschäftigen: Was sind bitte gekürzte Lesefassungen?

Mit meinem Jobwechsel im Dezember kann ich nicht wie zuvor wahlweise mit dem Zug zur Arbeit und bin aufs Auto angewiesen. Das stört mich an sich überhaupt nicht, nur die wegfallende Lesezeit würde mich sehr schmerzen. (Das verstehen wohl wirklich nur Buchnerds.)

Ich habe das kostenlose Probeabo von audible genutzt und mir gedacht, joa, ´nem geschenkten Gaul und so… Die App funktioniert super, kann man nichts sagen und auch der Service ist einfach und kundenfreundlich. Jederzeit kündbar und selbst wenn man später wieder einsteigt, sind die bereits geladenen/gekauften Hörbücher nicht weg.

Darm-mit-Charme-Giulia-Enders-Hörbuch-audiomediaverlag-CoverMit ‚Darm mit Charme‘ von Giulia Enders habe ich auch wirklich einen guten Einstieg gefunden. Es ist richtig interessant, gleichermaßen lustig und plötzlich waren Hörbücher beim Autofahren auch kein „Da-rein-und-da-raus“ mehr.
Klar, auch im morgendlichen Delirium überhört man mal den ein oder anderen Part, aber das passiert mir bei Printbüchern genauso und ich lese bzw. höre es einfach nach.

Wie Du Dir denken kannst, ist auch bei diesem Medium Buch mein Sammlerinstinkt groß und ich habe mich mit genau einem digitalen Exemplar zufrieden gegeben. Ich möchte die Hüllen im Regal stehen haben. Fertig. So ist das eben bei mir. Digitalisieren muss ich sie zwar trotzdem, da mein Auto (Opel Adam) kein CD-Player mehr besitzt, sondern wirklich alles digital über USB-Anschluss, Bluetooth oder eben Radio läuft. Fragt also am besten nicht weiter nach, was meine Logik dahinter ist. Ich bin gut darin, es komplizierter zu machen, als es sein müsste. Und: Muss es bei der Buchliebe überhaupt eine Logik geben?! Nope. Sammlerinstinkt eben, over and out.

Der fehlenden Print-Lesezeit wurde Abhilfe geschafft und schnell waren auch die sehr beliebten ‚Känguru-Chroniken‘ von Marc-Uwe Kling ein Teil des brandneuen Hörbuch-Regals. Es ist nicht übertrieben, wenn Du von ihnen immer nur „Die sind mega gut!“ oder „Die sind nochmal besser als die Buchausgaben“ hörst. Ich habe sie zwar zuvor nicht gelesen, aber von Marc-Uwe Kling selbst gesprochen und mit seinem kommunistischen und allzu klugen Känguru ist das Hörerlebnis wirklich der Hammer. Reihenfolge: Band eins ‚Die Känguru-Chroniken‘ | Band zwei ‚Das Känguru-Manifest‘ | Band drei ‚Die Känguru-Offenbarung‘

Die-Känguru-Chroniken-Marc-UweKling-Hörbuch-Cover-HörbuchHamburgDas-Känguru-Manifest-Marc-UweKling-Cover-Hörbuch-HamburgDie-Känguru-Offenbarung-Marc-Uwe-Kling-Hörbuch-Hamburg

Was sind autorisierte Lesefassungen?

Wie ihr auf den Covern der Känguru-Chroniken erkennen könnt, steht dort „Live und ungekürzt“, aber was bedeutet das eigentlich? Auf vielen – aber noch lange nicht allen – Rückseiten von Hörbüchern steht kleingedruckt: Gekürzte oder autorisierte Lesefassung. Das bedeutet natürlich nicht, dass der oder die SprecherIn kurz vor Ende des Buches einfach zu lesen aufhört (Ha! Des wär doch amal a Gag). Die Lesung wird mit Genehmigung des Autors um Stellen gekürzt bei denen er der Meinung ist, dass man sein/ihr Buch auch ohne sie versteht und keine essentiellen Stücke fehlen.

Weiterdenken kann man dieses Thema auch mit diesem Auszug von Hoerbuecher4um:

„(…)Man sollte hier auch bedenken, dass z.B. bei älteren Werken die Autoren oft gar nicht mehr die Genehmigung geben können, da sie schon verstorben sind. Auch bei Übersetzungen ist es nicht so einfach, da der Autor die deutsche Übersetzung sicher nicht so genau einschätzen könnte(…)“

Aber warum tut man es generell? Klar, ein Buch wird nicht einfach eingesprochen, sondern vorher erstmal wirtschaftlich auf CD’s aufgeteilt und es könnte ja sein, dass auf eine CD nur noch ein kurzes Kapitel kommen würde. Das wäre unrentabel. Es ist zum einen also eine Sparmaßnahme der Verlage. Aber den schwarzen Peter möchte ich ihnen deshalb nicht zuschieben, denn eine gekürzte Fassung hat auch seine Vorteile, wenn wirklich langatmige und nicht allzu relevante Stellen des Prints rausgekürzt werden, ist das nur zum angenehmeren Hörgenuss des „Lesers“. Das ist natürlich wiederum der Vorteil der digitalen Anbieter wie audible, die oft mit den ungekürzten Versionen eines Hörbuchs werben.

Manchmal ärgert es mich schon ein wenig, dass ich die haptischen Hörbücher meist nur gekürzt bekomme, denn um es realistisch zu sehen: Ich will schon das „komplette“ Buch für mein Geld, oder?


Wo und wann hörst Du Hörbücher? Welche Lesefassung ist Dir lieber?


 

Sonnige Grüße aus Mittelfranken und einen schönen Feiertag! Ich schmeiß mich jetzt – Überraschung! – mit Buch auf den Balkon

Signatur_Brösel1

 

 

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