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Mittwoch, 27. April 2016

„Der Junge im gestreiften Pyjama“ – John Boyne

Originaltitel: The Boy in the Striped Pyjamas | Autor: John Boyne | Übersetzung: Brigitte Jakobeit | 272 Seiten | Taschenbuch 7,95 € | ISBN: 978-3-596-80683-6 | Fischer KJB Verlag


Manchmal sieht man vor lauter Büchern die ergreifensten Geschichten nicht. So geschah es, dass „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne erst vier Jahre lang in meinem Regal warten musste bevor ich es las. Jetzt verspüre ich eine gewisse Reue, es nicht schon vorher getan zu haben.

Der Junge im gestreiften Pyjama John Boyne Fischer KJB CoverZuvor hatte ich mir keinerlei Gedanken gemacht, was es mit dem Titel tatsächlich auf sich haben könnte. Auch der Klappentext gibt nichts Genaues preis, dass man wüsste worauf man sich einlässt. Dass mich ein Buch aus der Kinderbuch-Sparte letztendlich so überrollt, habe ich so gar nicht kommen sehen.

„Die Geschichte von »Der Junge im gestreiften Pyjama« ist schwer zu beschreiben. Normalerweise geben wir an dieser Stelle ein paar Hinweise auf den Inhalt, aber bei diesem Buch – so glauben wir – ist es besser, wenn man vorher nicht weiß, worum es geht. Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungen namens Bruno. (Und doch ist es kein Buch für Neunjährige.) Früher oder später kommt er mit Bruno an einen Zaun. Zäune wie dieser existieren auf der ganzen Welt.“

(Quelle: fischerverlage.de)

Es dauert nur wenige Seiten, bis mir die Kinnlade runterklappt und ich begreife, in welcher Zeit ich mich befinde. John Boyne erzählt die Geschichte von „Aus-Wisch“ aus den Augen des neunjährigen Bruno, daher sind die Beobachtungen des kleinen Jungen kindlich und naiv, was sehr realistisch gelungen ist. Er lernt Schmuel, den Jungen im gestreiften Pyjama, kennen und trifft sich täglich mit ihm am Zaun. Die Freundschaft der beiden ist so lieb und gleichzeitig so schmerzvoll mitzuerleben, da einem das Unausweichliche bewusst ist. Die Stimmung geht unter die Haut, ich habe das Gefühl, dass der Himmel ständig grau bewölkt wäre. Die schrecklichen Geschehnisse zu Zeiten des Holocaust aus den unwissenden Augen eines Kindes zu sehen ist absolut wertvoll und eine gute Möglichkeit die deutsche Geschichte Jüngeren näherzubringen. Besonders daran ist aber, dass das Buch deshalb nicht nur etwas für Kinder sondern ebenso für Erwachsene ist. Es hat mir wirklich das Herz zerrissen.

Selten bringt ein Buch zu gleichen Teilen Freundschaft, Grausamkeit und diesen besonders schrecklichen Sumpf Wahrheit mit sich.

Das Buch hat mich Tage danach noch beschäftigt und seitdem setze ich mich vermehrt mit dem Thema auseinander. Ich möchte die Infos gnadenlos aufsaugen, wissen, VERSTEHEN, was in den Zeiten des 2. Weltkriegs dort passiert ist. Und warum? Selbstverständlich hatte ich das alles schon zu Schulzeiten in Geschichte, aber leider ist man in diesem Alter selbst sehr naiv und lernt die Sachen schnell auswendig um sie dann umso schneller wieder vergessen zu können. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ wird vollkommen zu Recht an einigen Schulen als Lektüre gelesen und das sollte auch unbedingt beibehalten werden. Selten bringt ein Buch zu gleichen Teilen Freundschaft, Grausamkeit und diesen besonders schrecklichen Sumpf Wahrheit mit sich.

Schon lange hat mir kein Buch mehr das Herz vor Schreck so zum Rumpeln gebracht und ich konnte nicht glauben, was mir dieses „Kinderbuch“ da mitgegeben hat. Der Verlag liegt richtig, wenn er von einem Klappentext absehen will. Diese tiefgehende Geschichte kann nur schwer beschrieben und sollte von jedem selbst erlebt werden.

Meine Wertung

 


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