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Sonntag, 7. Mai 2017

Tote Mädchen lügen nicht | Eine Auseinandersetzung

> Tote Mädchen lügen nicht < oder > 13 Reasons Why < wird Dir spätestens derzeit begegnen, wenn Du einen Netflix Account besitzt. Bei mir wartete seit Jahren das Buch von Jay Asher im Regal und ich wollte es auf jeden Fall vor der Serie lesen. Büchernerd, klar. Das Buch war schnell verschlungen, aber zusammen mit der Serie beschäftigte mich die Geschichte über Hannah Baker und darüber hinaus tagelang.

WICHTIG: Das Thema Suizid ist ein aufwühlendes Thema mit vielen Meinungen, Facetten und Abzweigungen. Ich maße mir mit diesem Beitrag keinesfalls an, die richtige zu haben. Ich möchte Buch & Serie von unterschiedlichen Seiten beleuchten und erzählen und weshalb es wichtig ist, darüber zu schreiben und nicht wegzusehen. Denn es gibt immer eine andere Lösung. Immer.

Das Buch

„Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher:
Originaltitel: 13 Reasons Why

Tote Maedchen luegen nicht von Jay AsherEs brauchte nicht viel, um die Schülerin Hannah in den Selbstmord zu treiben. Es braucht unendlich viel, um mit ihrem Tod leben zu können
Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf „Play“ – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon …“ (Quelle: randomhouse.de)

Meine Meinung

Autor Jay Asher kam bei einer Audioführung während eines Museumsbesuches auf die Idee des Buches. Die Stimme in seinen Ohren faszinierte ihn – ob er wusste, dass sein Roman über Hannah Baker ein weltweiter Erfolg werden würde? Die einzelnen Kassettenseiten sind passenderweise die Kapitel und diese entfalten eine rasante Sogwirkung.

Die Vorstellung, dass Clay auf einmal die Stimme der verstorbenen Mitschülerin und Freundin hörte, hatte etwas Furchteinflößendes und ich wünschte mir während des Lesens immer wieder, dass sich Hannahs Tod am Ende als Irrtum rausstellen würde, oder sie sich vorher irgendwem geöffnet hätte. Spoiler: Leider nicht. Es ist kein schönes Buch im klassischen Sinn, aber es geht alle an, es lässt nicht los, geht unter die Haut und erzählt die bedrückende Geschichte eines jungen Menschen, der aufgrund von (Cyber-)Mobbing und der daraus resultierten Verzweiflung so nicht mehr weiterleben wollte.

Ein gutes Schwellenbuch für ein aufwühlendes und schwieriges Thema

Ich finde es wichtig, dass dieses Buch bereits teilweise während der Schulzeit bearbeitet wird, spricht es doch genau diese Zielgruppe an, während sich junge Menschen entwickeln und ihren Weg (in der Gesellschaft) suchen. Aber vor allem auch Erwachsenen und/oder Eltern lege ich dieses Buch ans Herz, ist es während der Pubertät und Entwicklungsphase oft schwer, hinter die Fassade der Teenager zu blicken oder zu wissen, „was eigentlich abgeht“. Ein gutes Schwellenbuch für ein aufwühlendes und schwieriges Thema.

Was im Buch ungefähr in einem 24 Stunden Zeitfenster passiert, wird in der Serie auf ein realistisches Maß und 13 Folgen ausgeweitet:

Die Serie

„Tote Mädchen lügen nicht“
Erstausstrahlung: 31. März 2017 auf Netflix

Seit der Veröffentlichtung der Serie Ende März 2017 wurde die Serie bereits kontrovers diskutiert. Den Machern wird vorgeworfen, sie sei gefährlich und die Selbsttötung romantisiert dargestellt.

Es stimmt, dass die dramatische Geschichte von Hannah und Clay auch von der heimlichen Zuneigung der beiden erzählt, ich persönlich sehe diesen Erzählstrang jedoch nicht als Ausgangs- oder Mittelpunkt der düsteren und dennoch sehr packenden Serie. Zudem werden leider kaum bis keine anderen Lösungswege als die Selbsttötung aufgezeigt, was problematisch ist. Was im Buch gar nicht vorkam, aber für die Serie besonders gute Aspekte sind, ist, dass man die Eltern von Hannah kennenlernt, ihren tragischen Umgang mit der Situation und welche Folgen es für viele Beteiligte hat.

Generell ist die Serie sehr viel ausführlicher, teilweise abgeändert und auch das Ende lässt Stoff für eine 2. Staffel, die bekanntermaßen bereits in Planung ist. Nach einer ersten skeptischen Folge (gleich nachdem ich das Buch beendet hatte), mochte ich diese Neuerungen jedoch sehr. Den Folgen 9, 12 und 13 sind Triggerwarnungen/Warntafeln vorangestellt, die notwendig sind, können die Ereignisse darin wirklich erschreckend und verstörend wirken.

Währenddessen und nachdem ich alle Folgen sah, tauschte ich mich per Sprachnachrichten lange mit meiner Freundin Anja von > Der Bücherblog < aus. Fragen wie „Weshalb ist die Serie nicht mit Jugendschutz versehen?“ beantwortete ich mir quasi selbst, kaum dass ich sie ausgesprochen hatte.

Triggerwarnungen, die notwendig sind

Ja, die Szenen, vor denen gewarnt wird, sind schlimm und bleiben sogar ein paar Tage im Kopf, jedoch sind es genau die Ereignisse, über die in der Gesellschaft nicht gesprochen und zum Tabuthema gemacht werden. Ich finde es wichtig, dass gezeigt wird, worüber keiner redet, kann aber auch Eltern verstehen, die empört sind. Verbieten sollte man die Serie deshalb aber nicht! Vielmehr sollte man sie zur Aufklärung nutzen, sich gemeinsam damit auseinandersetzen und klarmachen, was uns die Serie sagen will: Dem Suizid von Hannah Baker ging eine Krankheit voraus, die sich aus den erzählten Gründen entwickelte.

Ja, die Szenen, vor denen gewarnt wird, sind schlimm und bleiben sogar ein paar Tage im Kopf, jedoch sind es genau die Ereignisse, über die in der Gesellschaft nicht gesprochen und zum Tabuthema gemacht werden.

Auch mein Freund, der nur so nebenbei ein paar Szenen der Serie mitbekam, fragte letztlich, inwiefern sie jemanden helfe, der die Selbsttötung in Betracht ziehe. Diese Frage ist unglaublich schwer und spätestens hier scheiden sich die Geister. Ich hoffe, dass Betroffene sich wiedererkennen und „das Positive“ herausziehen können und sich helfen lassen, jedoch bleibt es letztlich nur eine fiktive Geschichte, die je nach Schwere einer Depression unterschiedlich zu Jugendlichen durchdringt. Ein Suizid ist immer ein Zeichen für psychische Probleme, für die es jedoch Hilfe gibt!

Ich denke, die Serie will vielmehr präventiv/vorbeugend vermitteln, was scheinbare „Kleinigkeiten“ im Schulalltag bzw. allgemein anrichten können. Dass gewisse Bilder und Aussagen für die, die sich profilieren möchten, eine kleine Prahlerei sind und für die Betroffenen jedoch mehr als nachhaltig verletzend. Was es anrichten kann, wenn man einen gewissen Grundrespekt gegenüber seinen Mitmenschen schamlos ignoriert oder sogar einfach wegsieht, wenn andere Menschen Hilfe brauchen.

Solltest Du merken, dass Du oder ein Bekannter/Freund/Familienangehöriger Hilfe im Bereich Selbstgefährdung, sexueller Belästigung oder Depression braucht, gibt es einige Dinge, die Du tun kannst. Aber vor allem:

Vertraue Dich jemanden an!

Du kennst noch weitere Dinge und Kontakte, die helfen können? Dann packe sie gern in die Kommentare!

Fazit

Buch & Serie gehen unter die Haut, vor allem weil sie im Bereich Suizidgefährdung wirken, als gäbe es keine anderen Lösungswege. Die gibt es! Die andere Frage ist, ob es überhaupt einen optimalen Weg gibt, dass jeder Leser & Zuschauer zufriedengestellt werden kann. Beide Medien sind hierbei nicht perfekt, das ist klar. Ich empfinde es so, dass vor allem die Serie u.a. präventiv wirken möchte, was vermeintliche Kleinigkeiten anrichten können, das Bewusstsein bei Jugendlichen zu schärfen einen gewissen Grundrespekt gegenüber Mitmenschen zu haben. Trotz der Triggerwarnungen finde ich es wichtig, dass auch dramatische Szenen nicht totgeschwiegen werden.


Während ich diesen Beitrag schrieb, hörte ich übrigens den offiziellen Soundtrack zu Tote Mädchen lügen nicht auf Spotify. Der ruhige Song, nachdem auch Clay in der Serie fragt, ist „The Night We Met“ von Lord Huron. Ich würde mich über eine rege und konstruktive Kritik freuen und gerne wissen, wie Deine Meinung zu dem Thema ist.

Deine Brösel

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Dein Kommentar:

16 Kommentare

  • Antworten Fabian Neidhardt Sonntag, 7. Mai 2017 um 18:29

    Hej Brösel,
    schön zusammengefasst! Ich kenne das Buch noch nicht, habe die Serie aber sehr gern gesehen und stimme dir voll zu. Es ist eine gut gemachte Serie, die dem Thema den Platz lässt, den es braucht. Könnte mir das nicht in einer Filmlänge vorstellen. Mir ist das auch aufgefallen, wie gut es ist, dass die Serie manche Dinge explizit zeigt und nicht nur andeutet. Gerade Erfahren: Staffel 2 ist angekündigt. Sind ja noch genug Geschichten zu erzählen.

    • Antworten Bröselchen Sonntag, 7. Mai 2017 um 18:52

      Lieber Fabian,
      danke für Dein Feedback. Allerdings, das Serienende blieb mit einigen Andeutungen soweit offen, dass die 2. Staffel auch nochmal verspricht, spannend zu werden.
      LG, Brösel

  • Antworten Angela Kirchner Sonntag, 7. Mai 2017 um 18:37

    Liebe Brösel!
    Spannende Geschichte, das. Ich weiß, was du mit „präventiv/vorbeugend“ sagen willst und dass wahrscheinlich direkt Betroffene angesprochen werden sollen. Ich muss dazu sagen, ich kenne die Serie (noch) nicht, aber im Buch ist es zumindest der Fall, dass meiner Meinung nach keine andere Lösung außer dem Selbstmord angeboten wird. Und das ist für mich definitiv eine falsche, ja gefährliche Herangehensweise. Denn falls sich tatsächlich jemand angesprochen fühlen sollte, scheint Suizid eben die einzig wahre Maßnahme. Da helfen auch Listen mit Ansprechpartnern im Anhang nicht.
    Die Frage ist, inwiefern solch ein Thema überhaupt so gelöst werden kann, wie es sich der jeweilige Leser wünscht.
    Liebe Grüße
    Gela

    • Antworten Bröselchen Sonntag, 7. Mai 2017 um 18:50

      Liebe Angela,
      nein, mit präventiv/vorbeugend im letzten Drittel des Beitrags habe ich hauptsächlich Bezug auf diejenigen genommen, die mobben.
      Eine richtige „Lösung“ für Serie & Buch habe ich auch bereits mit Freunden diskutiert und ich denke, dass keine Seite hier restlos zufrieden zu stellen wäre. In einem Interview in den USA hat ein Junge, der gefährdet war, mit seiner Mama die Serie geschaut und seine persönliche Meinung war, dass es in Hannahs Fall bereits viel zu spät und die Entscheidung bereits gefallen war.
      Wie gesagt, ein schwieriges Thema, der viel Diskussionsstoff bietet und Buch sowie Serie garantiert nicht perfekt gelöst sind.
      LG, Brösel

      • Antworten Bröselchen Sonntag, 7. Mai 2017 um 19:01

        Danke nochmal für Dein Feedback. Ich habe gleich nochmal ein Fazit hinzugefügt. Danke für die Anregung, das nochmal deutlich zu machen.

        • Antworten Angela Kirchner Dienstag, 9. Mai 2017 um 16:11

          Huhu!
          Ach, dann hatte ich „präventiv“ auf die falsche Tatsache bezogen. Die Aussage des Jungen aus den USA ist spannend, immerhin sehen das Betroffene oft völlig anders. Mich würde in dem Fall tatsächlich noch mehr Feedback interessieren. Wahrscheinlich kommt es auch drauf an, inwieweit die jeweilige Person schon von den Angriffen „getroffen“ bzw „geschädigt“ ist. Schwieriges Thema.
          Liebe Grüße
          Gela

  • Antworten Petzi Sonntag, 7. Mai 2017 um 21:45

    Hallo Dani,

    ich hab das Buch damals 2012 gelesen (und ich glaube, weil du mich darauf hingewiesen hast. :)) und kann mich schon gar nicht mehr so richtig an alles erinnern. Seit ich wusste, dass es dazu eine Serie gibt, habe ich hin und her überlegt diese zu schauen. Ich hab eigentlich gar kein Netflix und habe mir deshalb jetzt extra den Testmonat gemacht, um die zu schauen. Bisher habe ich vier Folgen gesehen und kann daher noch nicht wirklich etwas sagen. Was ich aber gesehen habe gefällt mir und wäre für mich auch noch kein Grund irgendwas zu verbieten. Die schlimmen Dinge kommen aber wohl noch, deshalb bin ich gespannt, wie es da weitergeht. Ein sehr guter Beitrag auf jeden Fall, den ich nochmal lesen werde, wenn ich auch alle Folgen durch habe.

    Liebe Grüße
    Petzi

  • Antworten Nanni Montag, 8. Mai 2017 um 6:59

    Liebe Dani,
    ein sehr interessanter Beitrag. Vorweg muss ich sagen, dass ich weder Buch noch Serie kenne.
    Ich finde es ganz wichtig, dass solche Themen auf den Tisch kommen, denn leider sind die Einstellungen dazu noch sehr veraltet. Mobbing ist ja gar nicht so schlimm und wer depressiv ist, stellt sich nur an. Solche Bücher und Serien können aufklären und auch Betroffenen Mut machen diese schwierigen Themen überhaupt anzusprechen. Ich habe im letzten Jahr mit meiner Freundin Silke, die als Schulsozialarbeiterin tätig ist, einen Beitrag zum Thema Mobbing verfasst und dabei gelernt, dass es für Mobbing immer Hilfe gibt. Nur eben keine allgemeingültige. Leider wird in Büchern oft nicht richtig deutlich, dass es Hilfe und Lösungswege gibt. Egal, ob Mobbing oder Suizid.
    Bücher werden auch nicht so streng bewertet wie Filme oder Serien. Hier und da würde ich mir häufiger FSK oder solche Warnungen wünschen. Viel zu leicht kann man in einer falschen Realität versinken. Gerade in der schweren Zeit der Pubertät und gerade dann, wenn man sich in so einem Setting aufgehoben fühlt und sei es noch so düster.
    Es wäre vor allem zu wünschen, dass Kinder, Jugendliche, Betroffene in ihren mit mehr Aufmerksamkeit und Respekt betrachtet werden. Das wäre sicher auch ein Schritt in die richtige Richtung.
    Liebe Grüße
    Nanni

  • Antworten carlinda Montag, 8. Mai 2017 um 8:51

    Ich bin ja ein paar Tage älter, aber ein paar Szenen in der Serie haben mich an meine Jugend erinnert .
    Ob es jemand an Selbstmord hindert weiss ich nicht, aber es macht dünnhäutiger für bestimmte Probleme.

    Wie schnell sagt man seine Meinung über einen bestimmen Kleidungsstil oder über eine Figur laut ohne darüber nachzudenken, wie es bei den anderen ankommt.

    Ich war in einer Arbeit, in der Mobbing von oben gefördert worden ist, und bewusst wird es einen erst wenn man da nicht mehr arbeitet. Es ist also nicht nur in der Schule Thema.

    Die Serie hält keinen auf der Selbstmord begehen will , aber sie macht wie gesagt andere vielleicht sehender für bestimmte Probleme.

    Uuups jetzt habe ich mehr geschrieben als gewollt, und gleichzeitig fallen mir noch tausend Sachen ein
    Ich finde die Serie besser als das Buch.

  • Antworten Tatze Montag, 8. Mai 2017 um 20:50

    Liebe Brösel,

    ich habe deinen Beitrag gestern direkt gelesen, weil mein Mann zufällig gerade mit der Serie angefangen hat. Ich habe jedoch weder das Buch gelesen und auch keine Intention die Serie zu sehen – das ist leider nicht so mein Thema. Aber ich finde es sehr gut, dass du auch versuchst dich kritisch sowohl mit Buch als auch mit der Serie auseinander zu setzen. Meiner Meinung nach ist dir das sehr gut gelungen. :)

    Liebste Grüße,
    Tati

  • Antworten Sandra Dienstag, 9. Mai 2017 um 12:26

    Liebe Dani,

    ich habe die Serie, kurz nachdem sie online war, begonnen zu sehen. Das Buch habe ich bereits im September 2012 gelesen und daher auch nicht mehr jede Einzelheit im Kopf, erinnerte mich aber noch grob an den Inhalt, so dass ich neugierig war, wie Netflix Jay Ashers Vorlage als Serie umgesetzt hat. Die Serie ist sehr gut gelungen, zugleich sehr aufwühlend, bedrückend, warnend und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, sie möchte, wie du schon geschrieben hast, v.a. aufklären. Dabei geht sie m.M.n. sehr respektvoll mit dem Thema Suizid um.

    Julia hat die Serie vorgestern an einem Tag durchgesehen und mit mir darüber gesprochen, wie sie selbst Mobbing an der Schule empfindet. Ich hatte sie moralisch darauf vorbereitet, dass einige Folgen sehr explizit deutlich zeigen, was mit Hannah und ihren Schulkameraden passiert, weil ich weiß, wie sensibel sie sein kann. Sie kam auch jedes Mal zu mir und erzählte von den Triggerwarnungen vor der Folge. Die letzte Folge haben wir dann gemeinsam (für mich damit das zweite Mal und immer noch sehr aufwühlend) angesehen, weil sie nicht allein sein wollte.

    Man merkte sehr, wie intensiv sie sich in die Handlung hineingedacht hat und das könnte evtl. für manche junge Menschen doch problematisch sein. Ich würde meine Kinder die Serie nicht ohne begleitende Gespräche sehen lassen und auch nicht vor etwa 14, 15 Jahren. Die Große liest nun gerade das Buch und hat da schon die ersten Unterschiede festgestellt.

    Ich hoffe, dass Kinder & Jugendliche sich darüber klar werden, dass Selbstmord nicht die letzte Möglichkeit ist. Das jugendliche Gehirn hat einfach noch nicht so viele Verknüpfungen angelegt, wie das bei einem Erwachsenen der Fall ist. Junge Menschen denken daher oft, solche verzweifelten Gefühle halten für immer an.

    Ich finde es wichtig, dass man nach der Serie auch das Making-Of sieht, denn dort wird ja noch einmal erklärt, warum man sich beispielsweise dafür entschieden hat, einige Szenen schonungslos zu zeigen und darunter auch darzustellen, dass Selbstmord immer Menschen zurücklässt, die diese Person geliebt & gemocht haben.

    Eine interessante Diskussion, die ich definitiv weiter verfolgen werde. ;-)

    Danke für den Beitrag!

    Liebe Grüße
    Sandra

  • Antworten InaVainohullu Dienstag, 9. Mai 2017 um 16:31

    Liebe Brösel,

    Ich hab deinem Beitrag überhaupt nix hinzuzufügen. Sehr gut auf den Punkt gebracht.

    Bei mir liegt das Buch schon ein paar Jahre
    zurück, aber die Geschichte hat sich eingeprägt bis in alle Ewigkeit denke ich und es ist nach wie vor ein Buch das immer wieder gerne empfehle, gerade den Teenies um mich rum. Einfach weil das Thema heute wichtiger ist denn je.

    Als es hieß, das einr Serie kommt war ich zunächst sehr skeptisch, muss aber jetzt im Nachhinein sagen, das sie das sehr gut umgesetzt haben. Mein Mann, der wie auch mein Teenagersohn mitgeguckt hat und auch das Buch kennt, fand die Serie stellenweise zu langatmig. Aber da sind wir einfach auch total verschieden. Wo ich meinte, das sei doch gerade gut, das man dieses ganze Drumherum und die Auswirkungen mitbekommt, meinte er das Buch sei eben einfach viel eindringlicher gewesen, weil man quasi nur Clay und Hannah hat und vom Drumherum weniger mitbekommt. Es gab also auch hier reichlich Stoff zum Diskutieren :)

    Was die Triggerszenen angeht, so finde ich diese wichtig und auch wenn sie hart sind, sind sie ab einem gewissen Alter doch auch zumutbar, sie sollen aufrütteln und aufmerksam machen und das tun sie, auch hier gab es reichlich Gespräche darüber, gerade mit unserem Sohn, der mit seinen 14 Jahren ja total in die eigentliche Zielgruppe gehört. Wobei es sowas wie eigentliche Zielgruppe hier ja gar nicht gibt, weils alle betrifft.

    Ein Tipp zur Prävention ist: Achtsamkeit. Achte öfter bewusst auf deine Mitmenschen und dein Umfeld. Schenke fremden Leuten auch mal einfach so ein Lächeln. Man weiß nie was hinter der Fassade eines Menschen abgeht. Ich selbst leide seit 20 Jahren an Depressionen, ich gehe damit ganz offen um, hab diese auch seit einigen Jahren gut im Griff und Rückhalt von Freunden und Familie. Trotzdem kann ein freundlicher Blick oder ein Lächeln von fremden Menschen an einem ganz schlechten Tag ein echtet Stimmungsaufheller sein. Für dich ist es nur eine Geste, aber für dein Gegenüber vielleicht ein Anker und der Grund keine Dummheiten zu begehen.

    Liebe Grüße Ina

  • Antworten bknicole Donnerstag, 25. Mai 2017 um 14:01

    Ich hatte das Buch schon vor einigen Jahren gelesen, da hat es mich schon tief berührt und schockierend. Zwar hätte ich mir dort schon mehr Interaktion zwischen den Figuren gewünscht und auch eine größere Rolle der Eltern, aber das hat die Serie ja dann zum Glück hinzugefügt und somit die Schwächen komplett ausradiert.

    Jay Asher hat ja kürzlich einem Interview verraten, dass er in der Tat erst überlegt hatte, ob Hannah am Ende nicht doch überlebt, aber sich dann gezielt dagegen entschieden hat.

    Was die Kontroverse um die Serie anbelangt, ich kann gut verstehen, wenn sie einem zu heftig ist und manche Szenen kritisch betrachtet. Ich persönlich finde es jedoch gut, dass über dieses Tabuthema endlich gesporchen wird, denn darüber zu schweigen, hilft auch niemanden. Und nun wird intensiv darüber diskutiert und ich glaube, dass die Serie auch bei vielen Zuschauern etwas bewirkt hat. Dahingehend, dass einem bewusst wird, wie schnell man andere verletzten kann, wie wenig man über das Leben von anderen weiß und das man einfach aufmerksam und freundlicher zueinander sein sollte. Dazu wurde ja auch nichts beschönigt. Die Szenen mit Warnhinweisen fand ich sehr schwer zu ertragen, gerade bei der Selbstmordszene hat es mir weh getan hinzuschauen und genau das wollten die Produzenten ja auch erreichen. Abschrecken, aufzeigen, dass dieser Tod nichts schönes ist und man einsam unter Schmerzen stirbt. Zumal ja auch aufgezeigt wurde, was man all den Menschen, vor allem Freunde und Eltern antut, die man zurücklässt.

    Somit eine tolle Rezension, die auch meine Meinung wiederspiegelt.

    Ps: „The Night We Met“ finde ich auch einen ganz tollen Song. Der läuft bei mir gerade rauf und runter und ohne die Serie, hätte ich den nie entdeckt.

  • Antworten Kate Freitag, 9. Juni 2017 um 7:31

    Hallöchen,
    ich bin erst durch die Serie darauf aufmerksam geworden, dass es auch ein Buch dazu gibt. Ich wollte es natürlich auch vorher gelesen haben ;) Das hab ich dann vor zwei Monaten erledigt, konnte mich aber irgendwie lange nicht dazu durchringen, die Serie zu schauen. Letzte Woche war es dann aber so weit.
    Deshalb lese ich mir deinen Beitrag auch erst jetzt durch :D Ich hatte ihn die ganze Zeit in meiner Lesezeichen-Leiste gespeichert, aber die Serie muss man erst mal sacken lassen.

    Wie du habe ich während dem Lesen gehofft, dass Hannah am Ende noch leben würde. Clay erzählt ja, dass sie mit dem Krankenwagen abgeholt wurde und sie seit dem keiner mehr gesehen hat, dass es auch keine Beerdigung gab. Irgendwie habe ich gehofft, dass irgendwann die Nachricht kommt, dass sie noch lebt und im Krankenhaus ist.
    Aber das hätte den Effekt des Buches wahrscheinlich zerstört.
    Anfangs war ich ein bisschen verwirrt. Die Situationen, die Hannah so mitgenommen haben, sind zwar schlimm, aber nicht „so“ schlimm. Ich konnte nicht nachvollziehen, wieso sich deshalb jemand umbringt. Aber so nach und nach wenn alles zusammenkommt, wird klar, dass es einfach zu viel ist. Ich glaube, wenn man schon am Abgrund eines Lochs steht, dann braucht es gar nicht mehr viel, um hineinzufallen.
    Wie du würde ich das Buch auch jedem empfehlen. Nicht nur Schülern oder jungen Erwachsenen, sondern auch Eltern. Das Buch zeigt einfach so gut, wie viel Kleinigkeiten wiegen können. Dass schon ein falsches Wort einen Teenager extrem aus der Bahn werfen können.

    Ich finde nicht, dass die Serie romantisiert wird. Klar, es gibt diese Geschichte zwischen Clay und Hannah. Aber eigentlich wird es fast so dargestellt, dass Hannah sich auch nur Hilfe von Clay wünscht. Mit ihren depressiven Gedanken hat das nichts zu tun. Und der Selbstmord an sich wird auch in keinster Weise aus romantischen Gründen getan.
    Was ich ebenfalls gut finde, ist, dass die Eltern vorkommen. Dieser Aspekt bleibt im Buch ja völlig auf der Spur. Was gut ist! Wie grausam wäre es, wenn die Eltern eine Kassette gewidmet bekommen hätten? Aber dass sie in der Serie vorkommen und eine große Rolle spielen, finde ich extrem wichtig und gut.

    Ich glaube, dass die Serie weniger für betroffene ist, sondern für Angehörige. Damit diese etwas hellhöriger werden und vielleicht merken, dass etwas mit ihrem Mitmenschen nicht stimmt. Ob die Serie einem Betroffenen hilft, kann ich schwer sagen, ich glaube fast nicht. Aber bei Betroffenen liegt ja auch schon eine Geschichte vor. Ähnlich wie der Vertrauenslehrer Hannah Baker nicht helfen konnte, würde die Serie wohl einem anderen am Ende dieses Weges nicht mehr helfen.
    Aber wie gesagt. Ich denke, es geht eher darum, dass Angehörige die kleinen Warnzeichen sehen.

    Was ich allerdings kritisieren „könnte“, ist der Aspekt, dass die Depression nicht deutlich aufgezeigt wurde. Es war klar, dass es eine ist. Hannah hat sich manchmal so leer gefühlt und alles hat sie sehr mitgenommen. Aber ich habe zum Beispiel schon „Mein Herz und andere schwarze Löcher“ gelesen und auch in meinem Umfeld ein bisschen mit Depression zu tun, wodurch ich mich da ein klein wenig auskenne, oder zumindest beschrieben bekommen habe, wie das ist. Für jemanden, der das gar nicht kennt, noch nie damit zu tun hatte, könnte die Serie dann doch etwas verwirrend und nichtssagend sein.
    Darüber hätte man vielleicht noch aufklären können. Oder hab ich das nur übersehen?

    Ich glaube, es gibt keinen richtigen Weg, auf dieses wichtige Thema hinzuweisen. Aber als Schullektüre kann das Buch, glaube ich, richtig wertvoll sein. Es ist interessant und spannend und mit den Anweisungen des Lehrers würden Schüler es auch richtig verstehen.
    Aber auch so kann man es gut lesen. Es ist einfach wichtig, und dass das Buch so verrufen wird, finde ich schade. Es weist einfach auf ein Thema hin, über das niemand sprechen will. Suizid wird so totgeschwiegen und ich glaube, das ist genau das Problem, weshalb es so viele Kritiker gab.

    Ich finde das Buch toll geschrieben und die Serie wirklich gut umgesetzt. Ich habe ein bisschen Angst vor der Fortsetzung. So wie das Ende angedeutet wurde, wirkt die Fortsetzung auf mich eher Thriller-mäßig und das könnte diesen eigentlich wichtigen Kontext hinter der ersten Staffel zunichte machen. Aber ich bin gespannt.

    Liebste Grüße
    Kate ♥

  • Antworten »Tote Mädchen lügen nicht« Buch und Serie im Vergleich | Kates Bücherregal Samstag, 8. Juli 2017 um 8:12

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